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04.04.2005

Die wilden Hunde

Du siehst sie in den Straßen und an den Stränden, auf der Suche nach etwas Essbarem oder einem sicheren Unterschlupf. Oft können sie sich, geschwächt von Hunger oder wegen unbehandelter Krankheiten, kaum noch auf den Beinen halten. Die wild lebenden Hunde an der Costa de la Luz haben gerade genug um zu leben und zu viel zum Sterben.

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Text: Kathrin Abendroth

Verschüchtert streunen sie um die Picknickplätze - nicht sicher, ob sie einen Schluck Wasser erbetteln können oder vertrieben werden. Überall lauern für sie die Gefahren der menschlichen Zivilisation: Aus den verstreut herumliegenden Müllsäcken fressen sie alles, was irgendwie lecker riecht. Auch die Schnellstraße N 340 kann zu einer Gefahrenzone für schwache und orientierungslose Tiere, fast täglich sieht man die Kadaver am Straßenrand.

Neben den wild lebenden und wild geborenen Hunden streunen aber auch die Tiere, die aus irgendwelchen Gründen von ihren Besitzern nicht mehr gewollt werden. Jedes Jahr mit Ende der Jagdsaison nimmt die Zahl der aufgefundenen Galgos (spanischer Windhund) an der Costa de La Luz zu. Da diese Tiere mit ca. 2 bis 3 Jahren ihre Maximalgeschwindigkeit erreicht haben, sind sie nach Ansicht der Jäger nicht mehr für die Jagd tauglich und werden einfach "ausgemustert": ausgesetzt, nicht selten gequält und sich selbst überlassen, sozusagen als "gerechte" Strafe, weil sie ihre Leistung nicht mehr bringen. Obwohl das Quälen und Misshandeln von Tieren in Spanien gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt ist, werden nicht selten strangulierte und stark verletzte Tiere aufgefunden.

Davor kann man einfach nicht die Augen verschließen. Es gibt einige engagierte Spanier und Deutsche, die sich zusammengetan haben zu dem Tierschutzverein "Animal Viento de Tarify y Conil", um den wildlebenden und aufgefundenen Tieren helfen. Ihr Anliegen ist es, die Lebenssituation der Tiere zu verbessern, kranken Tieren zu helfen und für die verlassenen Tiere ein neues Zuhause zu finden. Ein Schritt in die richtige Richtung sind ihre Präventionsaktionen, die langfristig die Zahl der wilden Tiere auf natürliche Art und Weise verrringern soll.

Zwei- bis dreimal im Jahr führen sie mit den Tierärzten Curro und Miguel aus Tarifa Sterilisationskampagnen an den Stränden und im Hinterland durch. Dabei fangen sie die wilden Hunde und Katzen ein, was schon mal gar nicht so leicht ist und sterilisieren sie, um so die ständige Vermehrung der Tiere zu verhindern. Ihre Arbeit, die zeitweise auch von Ärzten und Medizinstudenten aus Deutschland unterstützt wird, machen sie unentgeltlich. Die Operationsmaterialien und Medikamente können gerade so von den wenigen Spendengeldern finanziert werden.

Danach müssen sie leider die Tiere wieder an den Ort bringen, wo sie sie aufgelesen haben. Besser wäre es, sie in einem Tierschutzheim unterbringen zu können. Seit Anfang Februar steht der Tierarzt Curro als Präsident des Vereins mit der Gemeinderegierung von Tarifa in Verhandlung. Konkret geht es um ein 3.000 qm großes Stück Land, auf welchem sie ein Tierschutzheim - "una protectora de animal" - errichten möchten. Es soll ein Zufluchtsort für Hunde und Katzen sein, aber auch anderen streunenden Tieren ein Asyl geben. Bislang werden viele Tiere von privaten Personen aufgenommen, was aber nur eine Zwischenlösung sein kann.

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Gibt es nicht so etwas wie ein staatliches Tierheim? Sehr häufig findet man in Spanien die sogenannten "Refugios": euphemistisch gesagt sind dies Auffangstationen, aber in den meisten Fällen muss man sie eher als 'Tötungszwinger' bezeichnen. Gefundene und abgegebene Tiere werden dort für eine Schonfrist von ca. 10 Tage aufgehoben. Findet sich bis dahin kein neuer Besitzer, werden sie getötet. Die Tiere finden in den Refugios weder Schutz noch werden sie dort artgerecht behandelt oder gehalten. Die Zustände vieler Refugios in Andalusien sind meist katastrophal: Kranke und gesunde Tiere leben auf engstem Raum zusammen, tote Tiere werden nicht immer sofort separiert.

Ein Refugio für Tarifa, so erfahren wir, sei sowieso geplant, da jeder Stadtbezirk (municipio) eine solche Auffangstation haben muss. Da die Tierschützer die gezielten Tötungen und die Haltungsbedingungen in den Refugios absolut ablehnen, kämpfen sie für ein zusätzliches Tierschutzheim, welches sie selbst betreuen würden. Mit einem betreuten Tierschutzheim könnte das Ziel erreicht werden, die Tiere weg von der Straße zu kriegen und ebenso eine Anlaufstelle für Menschen zu bieten, die bereit sind, einem Tier ein neues Zuhause zu geben.

Curro sieht das optimistisch: "Tarifa ist ein guter Ort, um die Tiere zu vermitteln. Es kommen viele Leute im Urlaub hierher, die helfen wollen und bereit sind, Tiere mit nach Hause zu nehmen. Im Hinterland wäre dies alles viel schwieriger zu organisieren."

Eine breit angelegte Hilfe für die Tiere funktioniert nur mit vereinten Kräften und über ein gutes Netzwerk, welches weit über Tarifa und die Costa de La Luz hinausgeht. Susanne und Anne, zwei in Tarifa und Conil lebende Deutsche, haben selbst Tiere aufgenommen und organisieren unter anderem den Transport von Tieren, die bereits nach Deutschland vermittelt sind und dort sehnlichst erwartet werden. Deswegen sind sie auch immer auf der Suche nach Flugpaten: Menschen, die bereit sind, auf ihrem Rückflug von Malaga oder Jerez zu einem deutschen Flughafen eine Katze oder einen Hund mitzunehmen.

Für den Reisenden entstehen weder zusätzliche Kosten noch besteht die Gefahr, dass sie auf dem Tier sitzen bleiben. Am Zielflughafen nimmt ein deutscher Helfer das Tier in Empfang und bringt es den neuen Besitzern. Unkompliziert und einfach kann also jeder helfen, der hier im Urlaub ist und per Flieger wieder Richtung Heimat fliegt.

Falls man sich entschließen sollte, selbst ein Tier aufzunehmen, ist dies auch recht einfach. Ein Tierarzt kann prüfen, in welchem Gesundheitszustand das Tier ist und ob es vielleicht doch jemandem gehört. In Spanien ist der implantierte Mikrochip schon seit Jahren Pflicht, über den man den Besitzer einwandfrei zuordnen kann. Gehört das Tier niemandem, kann es geimpft und gechipt werden; mit einem europäischen Reispass kann es dann über die meisten Landesgrenzen reisen.

Obwohl man den Eindruck bekommt, dass die meisten Ortsansässigen das Problem ignorieren, sieht es in der Realität glücklicherweise doch anders aus. Zum Glück gibt es einige beherzte Spanier, die sich um die wilden Tiere kümmern. Seit 3 Jahren tragen zwei engagierte Tarifeñas jeden Tag mehrmals Beutel mit Hähnchenfleisch und literweise Trinkwasser an den Strand von Los Lances. Der Vater und seine Tochter haben den dort lebenden Hunden sogar einen mit Decken ausgelegten Unterschlupf gebaut, der die Tiere vor Hitze, Kälte und Regen schützt. Die Hunde danken es den Beiden mit überschwänglicher und freudiger Begrüßung, sobald sie sich nähern. Und dies ist nur ein Beispiel dafür, dass es tatsächlich viele Wege gibt, um den Tieren zu helfen und sie mit Respekt zu behandeln.

Weitere Informationen:
Verein "Animal Viento de Tarifa y Conil": www.tierschutz-tarifaconil.org
Spendenkonto: Nr. 0182 3225 96 0201502578 - BBVA C./Batalla de Salado - 11380 Tarifa (Cadiz) - IBAN: BBVAESMMXXX - BIC: ES10 0182 3225 9602 0150 2578

Tierarzt Curro, Clínica Veterinaria Tarifa, Tel. 0034 956 68 53 43

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Ralf, Punta Carnero / Getares, 17.10.2008
 
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