|  | 09.01.2004
Faszination Freeclimbing - ein besonderer Guide
Ein trockener, heißer, sonnenverwöhnter Tag. Der Levante zwängt sich durch den Estrecho de Gibraltar, jagt die Wind -und Kitesurfer raus aufs Wasser und die bikinibekleideten Sonnenanbeter hinter die leicht windgeschützten Dünen. Wir marschieren gerade den steinernen Felsgletscher hinauf, im Rücken den weiten Blick über die gegenüberliegende Bergkette.

Die Bucht von Tarifa übersäht mit bunten Kites und Windsurfsegeln – groß wie Ameisen - bis hin zur afrikanischen Küste mit ihrem mächtig wirkendem „Gib El Musa", der später noch in der Abendsonne rot erglühen wird.
Der Weg ist nicht allzu weit. Unser Glück, denn wir brauchen unsere Power noch später für die langen Klettertouren, die wir uns für heute vorgenommen haben. Zugegeben, es packt einen schon ein wenig der Ehrgeiz, wenn man an den letzten Klettertag zurückdenkt, an dem man sich aus Mangel an Kraft oder eigenem Respekt der einen oder anderen Tour ergab. Wir machen zunächst einmal kurz Halt bei den noch in der Sonne liegenden Routen der Los Bordillos.
Auch für Peter, der heute seine ersten Vorstiegserfahrungen macht, sind diese Touren hervorragend zur Verbesserung seiner Klettertechnik. Er hat sofort realiesiert, das es ein gewaltiger Unterschied ist, das Seil selber zum höchstliegenden Umlenkhaken zu bringen, auch wenn es auf dem Weg dorthin mehrere Ösen zum Zwischensichern gibt. 
Schlimmstenfalls fällt er ein Stück ins Seil sprich in die Tiefe. Aber keine Angst, das ist überhaupt nicht tragisch und passiert Anfängern viel seltener als den Könnern, weil die Unerfahrenen nicht so nah ans Limit gehen, aber zittrige Knie kann es da schon mal geben. Melanie ist erleichtert, dass sie im Nachstieg noch ständig am Seil stramm gesichert ist. Aber sie ist schon überrascht, wie sicher sie mit ihren neuen Kletterschuhen auf winzigen Vorsprüngen am Fels steht. Wie unbequem und eng diese Schuhe sind, verdrängt man auf dem Weg nach oben sehr schnell. Der einzige Gedanke, der durch die Köpfe schiesst: Ich will da hoch!!!
Das denkt sich auch Klaus, als wir uns von den unteren Touren verabschieden und mit Seil und dem gesamten Equipment durch den schattigen Eukalyptuswald weiter nach oben ziehen. An der Felsgruppe des Mosaiko finden wir die Route, die heute bezwungen werden soll. Der Blick nach oben zeigt uns in 18 Meter Höhe unser Ziel, den silber glänzenden Umlenkhaken. Am Klettergurt vollbestückt mit Karabinern, Schlingen, Espressen sowie dem Magnesiumkreidesäckchen, eingeknotet am Seil und gesichert von Freundin Angela, macht sich Klaus auf zum ersten einbetonierten Zwischenhaken in 3 Meter Höhe.
Jedoch ist in dieser Tour der Anfang der schwierigste Part, denn der Felsen ist mit einem Überhang gespickt. Dank seiner guten Technik meistert er den Überhang mit spielerischer Leichtfüßigkeit, klickt seine erste Espressschlinge ein und erntet ein neckisches Augenzwinkern von Angela, die ihm zügig Seil nachführt.
Der Weg nach oben sollte überlegt und ruhigen Fußes sein. Jedoch sollte der Kletterer nicht allzu sehr zögern, da die Zeit ihm die wertvolle Kraft raubt. Ein gutes Auge für Griffe und Tritte ist da Goldwert. Die letzten Meter erfordert höchste Konzentration, die Nerven sind fast bis hin zum Zerreissen gespannt. Klaus behält die nötige Ruhe, ein letzter Griff und das Seil ist eingehängt. Angela hat ihn jetzt fest gesichert; er lehnt sich zufrieden zurück und genießt den Blick über das satte Grün der Wälder. Und selbst dort oben kann er vor uns sein Grinsen nicht verbergen.
Beim Abstieg leuchtet der markante Felsen von Afrika feuerrot, ein unglaublicher Anblick. Derweil macht sich die Freude auf kühle Getränke des direkt am Fuße des Felsen gelegenen Kiosko breit. Beinahe so groß wie die Vorfreude auf die nächste Klettertour, die uns an den Felsen des San Bartolome in Betis führen wird.
Infos: Girasol Andalusian Tours, Calle Colon, 12 - 11380 Tarifa (Cadiz) Tel. 652 86 89 29, 615 45 65 06 o Fax 956 62 70 37 www.girasol-adventure.com email. info@girasol-adventure.com
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