|  | 08.04.2005
Flamenco Inside Spain
Es ist immer ein Risiko über etwas zu schreiben, das unbeschreiblich ist. Und das passiert mit dem Flamenco, denn: Wie könnte man das beschreiben, was jemand im allertiefsten fühlt, wenn tatsächlich der „Irrwisch" auftaucht und die Gitarre, der Tanz und der Gesang sich des eigenen Innersten bemächtigen? Wegen dieser Schwierigkeit dachten wir uns, es sei angebracht, das Wort an jemanden zu übergeben, der den Flamenco in sich trägt, seit er geboren wurde.

Liquid befragt Mari Luz Navarro Quiñones, die „bailaora", die in Facinas der Gruppe „Se lió el tangay" vorsteht. Liquid: Was ist Flamenco für Dich?
M.L.: Obwohl ich noch in der Phase des Lernens bin, ist für mich Flamenco alles. Er stellt einen grundsätzlichen Teil meines Lebens dar, und das nicht nur auf professioneller Ebene, sondern weil ich mich mit ihm identifiziere und ihn ausserdem geniesse, sowohl wenn ich ihn unterrichte, als auch wenn ich ihn tanze. Hört man irgendwann einmal auf, Flamenco zu lernen? Nie. Es gibt immer neue Dinge zu lernen und das Wenige, das ich weiss, versuche ich weiterzugeben.
Glaubst Du, dass der Flamenco sich weiterentwickelt und muss man sich an strenge Stilregeln halten?
Der Flamenco verändert sich zurzeit mehr denn je. Er wird immer vielseitiger, indem er neue musikalische Formen zulässt und in sich aufnimmt.
Wann hast Du angefangen zu tanzen?
Mit vier Jahren. Meine Eltern haben mich für einen Kurs angemeldet, aber ich war sehr ungeschickt. Ich war sehr schlecht beim Rumba und sah, dass die anderen es wie eine Kunst beherrschten, und ich nicht. Ich dachte, ich könnte es nie lernen. Ich musste mir die Schritte immer zuerst im Kopf einprägen, bevor meine Füsse sie verstanden. Wenn nicht, lernte ich sie nicht. 
Wer hat Dich unterrichtet?
Die erste Lehrerin war Leo Rosano, die hier in Facinas mit einer Schule und einer Gruppe begann, die sich Divina Pastora nannte. Leo war viele Jahre lang hier. Danach hatte ich verschieden Lehrerinnen, unter ihnen Patricia de La Gloria, die uns die Tangos und BulerÌas beibrachte. Schliesslich zog Leo weg und seit fünf Jahren bin ich nun für die Gruppe zuständig.
Wie heisst die Gruppe und wer macht bei ihr mit?
Bis jetzt war die Gruppe nach mir benannt, obwohl ich im Grunde nur ein weiteres Mitglied bin. Vor Kurzem entschieden sich die Mädchen, dass wir uns in „Se lió el tangay" umbenennen sollten. Wir sind vier „bailaoras" (Tänzerinnen) plus ein Gitarrist und ein „cantaor" (Sänger).
Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern?
Nicht wirklich, denn seit ich fünf Jahre alt war, treten wir jedes Jahr auf der Feria in Facinas auf.
Was gefällt Dir besser, selbst etwas zu machen oder zu unterrichten?
Ich geniesse beides. Mir gefällt es besser, selbst zu tanzen, weil ich dabei mehr Spass habe, aber ich liebe es auch, zu unterrichten, besonders die kleinen Kinder. Ich habe Schüler ab zweieindhalb Jahren. Ich unterrichte hier in Facinas, in Bolonia und in Tahivilla.

Wer sind Deine Schüler? Mädchen, Jungen, Erwachsene …?
Die meisten sind Mädchen, obwohl ich auch ein paar Jungen habe. Erwachsene nicht einen einzigen.
Welche Eigenschaften sind für Dich am wichtigsten, um tanzen zu lernen?
Die wichtigste ist zweifellos Beharrlichkeit. Ohne sie kann man nicht lernen. Am Anfang ist das lernen sehr hart und viele geben rasch auf.
Tanzt Du lieber mit deiner Gruppe auf privaten oder auf öffentlichen Festen?
Natürlich auf öffentlichen Festen, da geben die Leute alles. Allerdings nicht auf einer Bühne, das erzeugt eine Trennung. Ich habe es lieber, wenn die Leute um mich herum sind, ich spüre sie näher.
Vielen Dank und weiterhin alles Gute für die fantastische Arbeit, die Ihr leistet, um den Flamenco zu verbreiten.
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